Es kann gut sein, daß das nicht an einer Sache liegt, sondern an einem Gesamtumstand mit vielen Facetten. Wie läuft denn sein Alltag normalerweise ab? Hat er Gelegenheit sich mit Dingen zu beschäftigen, die ihn menschlich weiterbringen?
Ich glaube, dass ist ein großer Knackpunkt. Er hat oder wir haben noch nichts gefunden, was ihn wirklich befriedigt. Er spricht dafür auch zu wenig von sich. Er hat einige Lieblingsbeschäftigungen, er äußert auch den Wunsch danach z.B. malen mit Farbe. Dem komme ich auch nach. Aber ohne Hilfe (manchmal sprachliche Unterstützung, manchmal seine Handbewegung eingrenzen) mischt er mehrere Farben zusammen und wischelt auf einem kleinen Fleck, dann ist das Papier schnell durchgemalt und er legt nach ein paar Minuten den Pinsel weg und geht Musik hören, obwohl er wirklich gerne malen wollte.
Zitat:
Er spült, weil er das Geräusch mag? Eine ziemliche Wasserverschwendung, oder?
Bei mir dürfen die zwei das, ich muss nur aufpassen, dass nicht rundum alle alles mitkriegen,sonst hab ich wieder Ärger.
Bin mir nicht sicher, ob es das Geräusch ist oder eher der "Wasserfall", den er beobachtet.
Die gesamte Familie (Eltern, Schwester(jüngere), Großeltern)sind die nettesten Menschen, welche mir seit langem begegnet sind. Seine Mutter ist die eigentliche Bezugsperson, nach ihr verlangt er auch sehr häufig am Tag.
Da sie aber berufstätig ist und auch noch eine kleinere Schwester da ist, muss er eben auch ohne sie auskommen. Er darf auch allein zur Oma gehen, wenn er danach verlangt. Sein Vater lässt ihn (natürlich nicht allein) in seiner Werkstatt mit an den Maschinen (z.B.Bohrmaschine) arbeiten.
Er kann in alle Zimmer im Haus gehen. Trotzdem halte ich seinen selbständigen Tätigkeitskreis (zu hause u. in der Schule) für sehr eingeschränkt. Da er die allermeisten Tätigkeiten allein nur ganz kurz ausführt und dann abbricht. Musik hören, schaukeln, im Sand wischeln, im Wasser schwimmen und daliegen macht er alleine ganz ausdauernd.
Zitat:
Du erwähntest, daß er die Initiative zu bestimmten Dingen übernimmt. Bewegt er sich vielleicht dennoch in einem Gerüst von Vorgaben?
Es ist ein Gerüst aus Vorgaben, das wir (Eltern undSchule)teilweise versuchen, zu durchbrechen bzw. durchbrechenzulassen, aber es ist nicht sein Wille, den er Tag täglich zu leben hat. Das geht schon beim Aufstehen los.
Es gibt Zeiten (momentan ist wieder so eine), da schläft er erst gegen 3.00/ 4.00 Uhr ein und befindet sich, wenn er aufstehen muss, befindet er sich eigentlich im Tiefschlaf.
Er schafft dann in der Schule nicht mal das Frühstück und er holt sich seine Matte und schläft bei vollem Klassenzimmer tief und fest ein. Manchmal ist er aber auch so überreizt, dass er weder auf seiner Matte noch im Snoozelraum zur Ruhe kommt.
Zitat:
Vielleicht ist nicht klar, wie er sich selbst etwas erschließen könnte.
Ich denke, das ist ein ganz entscheidendes Problem. Sehr häufig beobachtet er die anderen. Kam aber bisher erst dreimal von selbst mit der Aufforderung: "Willste auch mal machen." Außer im Sport bei Übungen mit dem Ball. Die gelingen ihm mittlerweile ganz gut.
Zitat:
Es geht um die Frage, ob dieser Freiraum von den Menschen seines Umfeld in diesem Sinne geachtet wird. Ob seine menschliche Sphäre vor willkürlichen, vielleicht einfach nur gedankenlosen Eingriffen verschont bleibt.
Schwierig zu beantworten. Dazu müsste ich abgrenzen können, was seine menschliche Sphäre, sein Freiraum ist. Wenn er äußert, willste alleine machen, lass ich ihn, aber es passiert eben zu wenig, um genau sagen zu können, wo ein STOP anfängt. Sehr oft ruft er eben auch nach mir und ich soll krabbel, huscheln oder eine andere Musik suchen.
Er kann nicht lesen. Aber da gebe ich die Hoffnung noch nicht auf. Sein Interesse an Bildern , Büchern, Zeitungen scheint nicht vorhanden zu sein, aber vielleicht erschließt sich auch hier wieder nicht der Sinn für ihn
Edit: Habe gerade festgestellt, dass ich das mit dem richtigen Zitieren nicht beherrsche. Vielleicht kann 55555 eingreifen?
[Zitierung (hoffentlich korrekt) eingefügt, mfg [55555]]