Behinderung
14.01.12, 12:28:51
indianer
geändert von: indianer - 14.01.12, 13:10:44
Ich möchte hier die Feststellung
Um Mißverständnisse beim Fragenden zu vermeiden: Behinderungen hat man nicht, man wird behindert.
als Thema mal aufgreifen. Diese Sichtweise ist auch für mich absolut korrekt. Jedoch geht es bei diese negativen Klassifizierung von Menschengruppen nicht nur um die Klassifizierung, sondern auch um die Perspektive, aus der es zu solch einer Feststellung kommt. In einer Gesellschaft, in der seit Bestehen der Menschheit das Leben durch Krieg und Konkurrenzdenken untereinander bestimmt ist, ist jeder, der nicht mit den selben Fähigkeiten ausgestattet ist, wie die Mehrheit,
behindert.(Vorausgesetzt er ist nicht besser darin)
Die Bibel, die Geschichte von Jesus, aber auch andere Religionen, mit der Ausnahme des Islam, zeigen Wege, das Kopnkurrenzverhalten, das letztlich nur der Kampf um Begünstigungen wie, mehr Nahrung, mehr Besitz, mehr Macht ist, auszuschalten. Sie wurden bisher gründlich und nachhaltig verhindert und das Wissen darum vernebelt.
Ich sehe mich aber durchaus als benachteiligt an, ich kämpfe jedoch auch dafür, dass man mich nicht nur auf diese reduziert. Benachteiligung kann man auch durch Inklusion korrigieren, in der die Behandlung nicht aus der Perspektive, du bist nicht gut genug, dich muß man "reparien" getätigt wird.
Ich habe in der Zwischenzeit auch Sichtweisen kennengelernt, die das Streben der Menschheit nach Fortschritt und Veränderung positiv beeinflussen.
Daher auch Kirche=falscher Prophet, weil der Glaube nicht weltlicher Reichtum und weltliche Macht bedeutet und vorallem keine Hierachien kennt.
z.B.
http://de.wikipedia.org/wiki/Hutterer
In dieser Gesellschaft gab es praktizierte Inklusion
14.01.12, 12:53:20
55555
Der Abschnitt zu "Behinderung" im Lexikon ganz oben wurde zur Kenntnis genommen? Behinderung ist ein Vorgang, der Minderheiten mit unfreiwilligen dauerhafteren Personeneigenschaften an gesellschaftlicher Teilhabe behindert. Der Begriff ist zudem von Behinderten selbst etabliert worden, auch wenn das hierzulande schon
fast hundert Jahre her ist.
14.01.12, 13:17:14
indianer
Dann frage ich mich, worin dann der Unterschied liegen soll zwischen behindert sein und behindert werden. Wurde damals der richtige Begriff gewählt? Was wollte man damals mit dieser Bezeichnung ausdrücken, denn die Definition sagt aus, dass man selbst behindert ist und nicht behindert wird. Oder nicht? Bitte jetzt nicht missverstehen.
14.01.12, 14:37:27
55555
Der Unterschied gleicht dem zwischen "diskriminiert sein" und "diskriminiert werden". Die erstere Variante weist auf einen eher kontinuierlichen Zustand hin.
14.01.12, 14:50:57
wolfskind
es gibt diese kampagne. "behindern ist heilbar"
dies bezieht sich auf die NA, die die A behindern,
es soll deutlich machen dass nicht die A "geheilt" werden müssen
sondern die NA ;)
14.01.12, 18:30:44
PvdL
Ein Fisch ist "behindert", wenn er auf dem Trockenen ist. Ob man "behindert" ist oder nicht, ist somit auch eine Frage der passenden oder eben unpassenden Lebensumstände.
14.01.12, 19:46:45
55555
Behinderung wird aber nicht durch Lebensgefahr ohne Beteiligung gesellschaftlicher Umstände definiert. Insofern ist das schon ein sehr extremes und auch etwas verfehltes Beispiel, oder?
14.01.12, 21:46:13
PvdL
Na, gut. Nehmen wir das Walroß: An Land wirken diese schweren Tiere eher unbeholfen, im Wasser sind sie jedoch sehr wendig.
15.01.12, 00:14:55
55555
Aber wo ist z.B. das Wasser der Autisten? Wir sind überall auf diesem Planeten in der Minderheit, oder?
15.01.12, 00:49:31
drvaust
Ich bin aber auch durch meine Eigenschaften behindert, ohne behindert zu werden. Ich habe auf manchen Gebieten Schwierigkeiten, ohne daß mir jemand Schwierigkeiten macht. Ich habe einige Einschränkungen, die nicht von außen entstehen, sondern durch eingeschränkte Fähigkeiten.
Z.B. habe ich Probleme beim Sehen, ich bin stark kurzsichtig, Stellungsfehler und Altersweitsichtigkeit. Ich habe da einfach einen 'Fehler', der mich behindert, ich bin also behindert. Da behindert mich niemand. Ich bin nur nicht perfekt, wie alle. Das ist eine von mehreren Behinderungen, die ich habe, zusammen mit anderen Eigenschaften, wo ich fähiger bin. Ich bin auf mehreren Gebieten durch persönliche Eigenschaften behindert. Aber ich sehe mich insgesamt nicht als Behinderter durch persönliche Eigenschaften.
Der Satz "Behinderungen hat man nicht, man wird behindert." stimmt nur teilweise. Viele Behinderungen werden von der Umwelt verstärkt oder entstehen erst durch die Umwelt. Aber viele Behinderungen entstehen auch durch eigene Eigenschaften, unabhängig von der Umwelt.
Wer z.B. nichts hört, ist behindert, auch wenn er alleine ist, unabhängig von der Umwelt. Die Umwelt kann ihm helfen oder weiter behindern, aber der Taube ist behindert, weil er nichts hört.
Manche Behinderungen werden erst durch die Umwelt zu Behinderungen, aber es gibt auch Behinderungen, die unabhängig von der Umwelt sind.
Speziell Autismus führt eher zu Behinderungen durch die Umwelt. Aber wenn man die neutrale Umwelt nicht richtig erträgt (z.B. überempfindlich), ist es auch eine Behinderung, die in der Person liegt.
15.01.12, 06:08:49
Gast
@drvaust
Das sehe ich nicht so. Ich sehe das Ganze radikaler.
Nichts und niemand ist behindert, weil es für alles und jeden eine Möglichkeit gibt sich selbst in einer Umgebung frei zu "bewegen". Selbst wenn man eine Sehschwäche hat, ist man durch diese persönliche Eigenschaft nicht direkt behindert. Behindertsein würde ja bedeuten, das man sich nicht frei in jeder Hinsicht "bewegen" kann.
Im Falle einer Sehschwäche ist es so, dass man selbst erwartet, dass man so gut sehen kann, wie man es von früher her gewohnt ist. Oder, dass andere erwarten, dass man so gut sehen können muss, wie es eben erwartet wird. In diesem Fall kann man sich selbst behindern im Denken, oder man wird von anderen behindert. Das ganze durch Erwartungen. Aber man ist nicht behindert. Denn man kann die Sehschwäche problemlos mit anderen Sinnen ausgleichen, wenn man dies auch will und dementsprechend übt. Blinde hören z.B. so gut, dass sie die Umgebung räumlich wahrnehmen können, ohne sie zu sehen. Sie sind also in ihrer "Bewegung" nicht behindert. Nur die Art, wie sie die Umgebung wahrnehmen ist anders als zu sehenden Menschen. Dabei sollten aber auch andere Menschen das akzeptieren, dass man anders wahrnimmt, denn sonst drohen sie einen darin zu behindern wie man ist und wahrnimmt. Aber selbst, wenn andere Menschen das nicht akzeptieren, ist man nicht behindert, sondern man wird nur behindert durch jene oder durch sein eigenes Denken. Selbst ein Mensch, der keine uns vertrauten Sinne besitzt, ist nicht zwangsläufig behindert. Jener nimmt nur alles anders wahr. Ihm wird eine Behinderung zugeschrieben, aber diese ist nur fiktiv oder auch nur subjektiv zugeschrieben.
Keiner sagt, der Mensch sei allgemein schwer behindert, weil er kein UV-Licht und kein Infrarot-Licht sehen kann. Der Mensch kann ja auch Infrarot-Licht spüren in Form von Wärme-Reizen.
Nur weil wie x oder y nicht sehen können, heißt es nicht, dass wir es nicht irgendwie wahrnehmen können. Manche Dinge nehmen wir auch erst durch Folgeauswirkungen wahr. Aber wir nehmen sie wahr.
Selbst ein Fisch, der aufs Land geworfen wird, und dadurch scheinbar vollkommen behindert wird, kann sich noch bewegen. Er ist dann zwar nicht mehr in dem Gebiet, in dem er sich gut fortbewegen kann, aber er kann immer noch versuchen, durch Sprünge wieder wieder in sein Element (Wasser) zu gelangen. Er ist also auch nicht behindert. Er wurde nur behindert, weil man ihn aufs Land geworfen hat.
Ich habe zurzeit beispielsweise Lähmungserscheinungen in der linken Hand. Diese behindern mich. Aber deswegene bin ich nicht behindert. Behindert zu sein, würde ja bedeuten, wie gesagt, dass man sich nicht mehr frei "bewegen" kann. Aber ich kann mich trotz dem behindert werden noch frei bewegen, indem ich einfach schaue wie ich mich anders nun "bewegen" kann. Ich könnte auch erwarten, dass meine Hand wie sonst immer funktioniert, und mich damit selbst behindern, und damit mich selbst auch als behindert ansehen, aber das mache ich nicht. Ich bin deswegen nicht behindert. Das weiß ich. Ich kann höchstens durch andere behindert werden. Zum Beispiel, wenn sie meine Lösung gegen das behindert-werdens nichts annehmen und/oder bekämfen.
Ein Mensch der keine Beine hat, kann auch noch Auto fahren, wenn man ihm einfach die Möglichkeit lässt oder bietet die Fußpedale in umgebauter Form mit den Händen bedienen zu können.
Behidnert ist man also nie, sondern man wird nur behindert. Sei es durch sich selbst, durch das Umfeld, oder durch andere.
Sollte z.B. meine Hand nun stärker gelähmt werden, werde ich meine zweite Hand darin trainieren, die andere zu ersetzen. Auch meine Füße können manche Aktionen der Hand ersetzen. Und selbst, wenn eine Aktion nicht mehr ersetzbar sein sollte, so bin ich dadurch nur behindert, wenn ich weiterhin die Erwartungshaltung hege, dass ich jene Aktion unbedingt ausüben muss. Das wäre das selbe, wenn ich unbedingt erwarte Infraotlicht sehen zu können. Ich kann kein Infrarotlicht sehen, aber dennoch bin ich nicht behindert. Infrarotlicht kann ich auch durch technische Hilfsmittel wahrnehmen. Also auch die Technik oder Technologie allgemein kann hierbei aushelfen. Und da jede Technologie dem kreativem Denken, also aus dem Kopf, entstammt, kann ich bei jedem behindert werden auch meinen Kopf benützen, um eine Möglichkeit zu finden, wie ich nicht mehr behindert werde.
Also nochmal niemand ist behindert. Man wird nur behindert.
15.01.12, 11:51:33
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Ich möchte an dieser Stelle einmal wieder darauf hinweisen, daß Benutzer des Gastzugangs sich durch ein charakteristisches Merkmal in ihren Beiträgen kennzeichnen sollen, damit verschiedene Benutzer die parallel den Gastzugang nutzen auseinandergehalten werden können.