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Gestützte Kommunikation

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29.04.10, 11:53:19

55555

Gut, du willst also anderen helfen. Du hast bereits zur Kenntnis genommen, daß dieses Forum von Autisten betrieben wird? Erkennst du weiter an, daß Autisten Autisten besser als Wissenschaftler oder auch Eltern verstehen (ich begrenze das bewußt nicht auch nichtautistische Eltern, weil Eltern allgemein erfahrungsgemäß manchmal ziemlich betriebsblind sind)?

Wir haben hier schon gewisse Erfahrungen mit sendungsbedürftigen Eltern, die selbst meinen schon alles zu erfassen, was mit dem Thema zu tun hat. Ist dir z.B. klar, daß Autisten solche Unfähigkeiten zeigen können, weil etwas bezüglich ihrer Lebensbedingungen ganz und gar nicht stimmt? Inwieweit hast du das schonmal in deinem familiären Umfeld geprüft? Was für Probleme hast zu z.B. in der Vergangenheit gelöst?

Dein Abwiegeln der genannten Studie bezüglich FC finde ich im übrigen etwas sehr einfach. Das Mindeste wäre die Nennung einer offen zugänglichen und formal akkuraten Studie, die auch nur halbwegs zeigt, daß FC funktionieren kann.
29.04.10, 17:04:46

jrottl

Hallo 55555,
Ich bin froh, endlich auf ein Forum gestossen zu sein, das von Autisten betrieben wird.

Zu Deinen Fragen:
Da gibt es den 318 Seiten Wälzer der Behinderten Hilfe Bayern, eine Faliditätsstudie über die Funktionsweise der Gestützten Kommunikation FC, die bestätigt, das es funktioniert, also mal einfach ausgedrückt. Zudem arbeite ich mit dieser Methode schon 10 Jahre mit grossem Erfolg, für mich stellt sich die Frage also garnicht. Für alle Zweifler, die wie sich schon oft bei genauerer Befragung gezeigt hat garnicht mit der Methode gearbeitet haben, sei gesagt, niemand wird gezwungen daran zu glauben, jeder kann für sich selbst entscheiden.

Ich selbst werde nie genug Wissen haben um alles verstehen zu können, was ein autistischer Mensch wirklich empfindet, das kann auch kein Arzt, kein Psychologe und kein Elternteil! Ich kann nur nachempfinden wie es ist, wenn man nicht sprechen kann und ein Körperteil gefühllos ist, weil ich das selbst erlebt habe, als ich vor 18 jahren eine schwere Gehirnhautentzündung hatte und nicht mehr sprechen konnte und zum teil gelämt und gefühlos war. daher weiß ich welches Aggressionspotential sich da in einem bildet, wenn man jeden gedanken klar denken kann aber kein wort über die Lippen bringt. Wenn man nur, weil man nicht sprechen kann für dumm gehalten wird. Ich lerne von jedem Autisten etwas dazu, was mir wiederum hilft autistische Menschen besser zu verstehen. Ich kenne selbst einige Eltern, die ihre autistischen Kinder wie babys behandeln, obwohl sie erwachsene Menschen sind. Ich protestiere dann immer!

Gruß Jürgen

29.04.10, 17:09:47

55555

Das mit der Gehirnhautentzündung kommt mir bekannt vor, kann es sein, daß du hier schonmal vor Jahren unter anderem Nick aktiv warst? Das Design hatte sich mal grundlegend geändert.
29.04.10, 17:10:29

jrottl

geändert von: [55555] - 29.04.10, 17:46:29

[Kettenbeiträge zusammengefasst, Mailadresse versteckt, mfg [55555]]

Hallo 55555,

Ja ich verständigungsprobleme lösen und den Eltern eine Kommunikationsmöglichkeit mit ihrem Kind zeigen um zukünftig Missverständnisse zu veringern, das wirkte oft spannungslösend auf die autistischen Kinder und führte zu einem besseren Zusammenleben in der Familie.


Nein, war hier nicht aktif, aber im Forum linker Niederrhein.


Schreib mir mal eine Email unter
versteckter Text:
Du musst erst antworten, um diesen Text lesen zu können.
, da können wir gern noch ausführlicher schreiben.
29.04.10, 17:37:12

55555

Ich kommuniziere über sowas gerne im Forum, weil da noch mehr Leute reinschauen und es so wohl ergebnisreicher ist.

Das erwähnte Buch ist dieses? Vom Umfang und der regionalen Herkunft könnte es hinkommen. Auf jeden Fall erkenne ich darin an, daß erwähnt wird, daß die Frau Kochmeister, die mittlerweile auch ohne Stütze schreibt selbst angibt zu meinen ohne FC nie diese Kommunikationsmöglichkeit erlernt gehabt zu haben. Allerdings ist Frau Kochmeister wohl auch nicht so typisch autistisch, wie ich zufällig weiß, da ich mit ihr schon ein wenig kommuniziert hatte.
29.04.10, 19:17:44

jrottl

Ja genau das Buch ist es. Gut, dann müssten wir aber ein neues Thema eröffnen, denn von der ursprünglichen Frage sind wir jetzt ganz schön abgewichen. Können autistische menschen sich selbst beschäftigen? Ja meine ich. Jeder auf seine Art. Meine Tochter kann es und zwar in dem sie sich mit ihrer Stofftiersammlung beschätigt und sogar mich mit einbezieht, in dem sie mir bei jedem tier Augen, Nase und Mund zeigt. Das ist nicht nur ein spiel, das ist auch Kommunikation. zwar findet sie auf einer anderen Art statt, aber sie funktioniert auch.
29.04.10, 20:19:41

55555

Soweit ich sehe bist du übrigens auch einige Fragen noch nicht eingegangen, z.B. die hier:
Zitat von 55555:
Ist dir z.B. klar, daß Autisten solche Unfähigkeiten zeigen können, weil etwas bezüglich ihrer Lebensbedingungen ganz und gar nicht stimmt? Inwieweit hast du das schonmal in deinem familiären Umfeld geprüft? Was für Probleme hast zu z.B. in der Vergangenheit gelöst?

Meinetwegen kann das FC-Thema ausgelagert werden.
30.04.10, 05:47:46

[modmod]

Ich habe mehrere Beiträge, aus diesem Thema, hierher verschoben, weil sich das im ursprünglichen Thema zu einer Abschweifung entwickelt hatte.

Außerdem muß 'Gestützte Kommunikation' hier mal speziell diskutiert werden.

30.04.10, 19:00:01

jrottl

Ja, über FC konnte ich z.B. auch Probleme meiner eigenen Tochter in ihrer damaligen Schule lösen, weil sie dort von einer Heilpädagogin nicht verstanden wurde. Diese Pädagogin hielt nichts von FC. unsere Tochter nervte es, das sie sich ihr nicht mitteilen durfte, sie reagierte darau mit Fremdaggression. Nachdem sich meine Tochter mir anvertraute, konnte ich ein klärendes gespräch mit der Pädagogin führen, worauf unsere Tochter eine Stützerin im Untericht zur seite gestellt bekam, und siehe da plötzlich klappte es mit dem Untericht.
30.04.10, 19:45:17

55555

Habt ihr die Funktion getestet mit sauberen Tests hinsichtlich Aufgabenlösungen für Aufgaben, die der Stützer nicht kennt?
01.05.10, 05:08:24

drvaust

Jrottl, ich kann Deine Beschreibung der Gestützten Kommunikation bei Deiner Tochter nicht eindeutig verstehen.
Kannst Du das mal einfach leichtverständlich erklären? Wie funktioniert das genau?
So wie ich das verstanden habe, wählt und drückt Deine Tochter die Tasten unabhängig selbständig, wird dabei nicht unterstützt. Aber zum Loslassen der Tasten braucht sie Unterstützung, einen Impuls. Sie wird am Unterarm gestützt und bewegt die Hände und Finger unabhängig. Das verstehe ich zwar nicht, könnte aber sein. Ist das so richtig?

Es gibt auch Formen der Gestützten Kommunikation, bei denen die Hände gestützt (geführt?) werden. Da ist unklar, wer führt und wer geführt wird. Dabei besteht der Verdacht, daß der Stützer selber schreibt und die Hände des 'Gestützten' nur dabei sind. Es gibt nachgewiesene Fälle, bei denen es so war.

Kannst Du das mal genau erklären, wie Gestützte Kommunikation funktioniert? Wozu die Stützung gebraucht wird, was die bewirkt und ob eine Beeinflussung ausgeschlossen ist.
Sonst wird hier nur grundsätzlich diskutiert, in der Art, daß es viele Fälle gibt, bei denen Gestützte Kommunikation falsch war, und daß es viele Fälle gibt, bei denen Gestützte Kommunikation gut funktioniert. Das muß mal konkret diskutiert werden.
02.05.10, 23:56:53

feder

Anscheinend gibt es sogar gestütztes Malen:

Zitat:
Auch hier ist ein adäquater Ausdruck durch Zeichnen oder Malen oft nicht gegeben, weil die Willkürmotorik nicht verläßlich verfügbar ist. Meist wird nur ein ungeformtes Kritzeln oder Spuren auf dem Blatt sichtbar.

Anders als beim gesunden Kind wäre es hier jedoch absolut unangemessen, von dieser Kritzelspur auf das geistige Alter des Zeichners zu schließen.

Was geschieht nun beim Gestützten Malen?

Beim Gestützten Malen biete ich Widerstand, Stütze, bereits bei der Papierauswahl an, dann bei der Auswahl der Pinsel und der Farben und auch bei dem gesamten Malprozess.
Es ist hier allerdings ein hohes Maß an Achtsamkeit und Erfahrung notwendig, wirklich nur dem Bewegungsimpuls des Malenden stützend und dienend zu folgen und nichts eigenes hineinzubringen.
Dies alles geschieht in einem äußeren beschützenden Rahmen, der bei aller Möglichkeit des freien Umgangs mit Pinsel und Farbe eher von Ordnung und Struktur geprägt ist.

Quelle

Wie kann für den Stützer erkennbar sein, dass er Widerstand bieten muss und es sich beim Gestützten nicht um absichtlich "impulsive"(?) Bewegungen handelt?
 
 
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