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Altpapier
(Autistenbereich)

Eine Therapie sollte nicht nur jeden Monat einmal stattfinden und langfristig einen verlässlichen Rahmen bieten.
19.12.06, 20:47:39
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Goldloeckchen
(stillgelegt)

Verlässlich um wem einen gefallen zu tun? Oder meinst du, dass du so eine Verlässlichkeit brauchst? Im letzten Fall verstehe ich dich. In erster Linie sollte eine Therapie den Patienten helfen und man sollte da nicht hin um es Therapeuten recht zu machen. freuen

[Auf eigenen Wunsch deaktiviert und anonymisiert, mfg [55555]]
19.12.06, 21:06:14
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55555
(Fettnäpfchendetektor)

Soweit ich weiß ist der Begriff "Therapeut" nicht rechtlich geschützt?

Mancherorts steckt man Eltern ins Gefängnis, die ihre Kinder aus ideellen Gründen nicht zum Arzt bringen. Anderswo schützt man fremde Kulturen mittels Strafen vor Kontakt und Einmischung.
19.12.06, 21:20:27
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Jana
(Autistenbereich)

geändert von: Jana - 19.12.06, 22:25:45

Zitat von Sheila:


Einerseits frägst du uns hier nach Wünschen zwecks adäquate Therapieform und dann schreibst du von irgendwelchen Kräutertees und Ernährungsumstellung....Ich bin von der Idee angetan, dass du Therapieformen individuell auf deine Patienten zuschneiden willst aber bitte ohne Zwänge. Das wäre mein Wunsch.


Hallo Sheila,

die Frage nach Therapiewünschen von Menschen mit autistischer Syptomatik bezog sich auf die Psycho-Therapie, die sich jeder für sich selbst wünscht.

Die Angaben, mit dem Kräutertee, erfolgte auf die Frage hin, ob ich Probleme im Umgang mit meinen Patienten hätte, hat also mit der ersten Frage nichts zu tun. In der Psychotherapie kriegt man ja keinen Kräutertee verordnet, aber man könnte ihn empfohlen kriegen, z.B. Melissentee um die Nerven zu beruhigen, was ja auch nichts Schlimmes ist.

Du schreibst du möchtest keinen Zwang in der Therapie, das sehe ich auch so. Man kann auch niemanden zwingen etwas zu tun, was er nicht möchte. Das Problem dabei ist nur, wenn man eine Therapie beginnt um gesund zu werden, dann muss man mitarbeiten, wenn man alles ablehnt was einem helfen könnte, nur weil es einem unangenehm ist, dann kann sich nichts verändern. Es wäre ungefähr so, wie wenn jemand den Auftrag erteilt:

Wasch mich, aber mach mich nicht nass.

Und das ist mein Hauptproblem im Umgang mit Patienten, sie wollen gesund werden, aber selbst nichts dafür tun und nichts verändern und das ist nicht möglich. Das frustriert mich.

Wichtig finde ich eben deshalb, dass sich jeder die für ihn passende Therapie selbst auswählt, dann aber auch konsequent bereit ist mitzuarbeiten an Veränderungen und auf Ziele hin, die man sich selbst gesetzt hat.

Wenn ich mich bei einem Therapeuten anmelde, der mit Kräuterkunde arbeitet und ihn um Hilfe bitte bei körperlichen Symptomen, dann ist es doch nur legitim, dass er mir Kräuter verordnet. Wenn ich das nicht will, dann gehe ich doch gar nicht erst da hin. Und was eine Ernährungsumstellung betrifft, damit kann man ganz viel auf das Befinden einwirken. Aber auch hier im Rahmen dessen dass der Patient Sachen isst, die gesund sind und die er auch mag, es geht nicht darum, dass er nur noch Sachen essen soll vor denen ihm graust.

Es macht keinen Sinn jemanden in der Therapie zu etwas zu zwingen, das wird keine Erfolge zeigen. Jeder muss für sich selbst entscheiden was er will und braucht, aber es wird nicht immer nur angenehm sein, der Weg dorthin.

LG
Jana
19.12.06, 22:22:06
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Goldloeckchen
(stillgelegt)

geändert von: Goldloeckchen - 19.12.06, 22:58:03

Zitat:
Wichtig finde ich eben deshalb, dass sich jeder die für ihn passende Therapie selbst auswählt, dann aber auch konsequent bereit ist mitzuarbeiten an Veränderungen und auf Ziele hin, die man sich selbst gesetzt hat.


Das ist ja wohl Vorraussetzung. Da sind wir uns einig. Allerdings sollte der Patient neben der Mitwirkungspflicht auch ein Mitspracherecht haben auch was die Gestaltung der Therapie angeht. Wenn ich keine Ernährungsumstellung möchte dann muss eben eine andere option her. Es würde mein Wohlbefinden sicher nicht steigern wenn ich meine Ernährung gegen meinen Willen umstellen müsste. Naja, dass Patienten mal "rumbocken" oder irgendwas nicht so können wie du verlangst darüber müsstest du dir im Klaren sein. Gerade wenn du mit Autisten arbeiten möchtest. An sich eine gute Sache und ich wünsche dir viel Erfolg dabei aber du müsstest dir auch vor Augen führen, dass das Prinzip "Wer will wird auch mitmachen" oder so ähnlich zu einfach ist. Diese Rechnung geht bei psychisch beeinträchtigten Menschen nicht auf.

Ich zb. werde vom SPZ betreut. Freiwillig! Nun, die letzten drei Wochen habe ich mich wegen einer Depression nicht gemeldet. Mir ging einfach alles am Arsch vorbei. Mein Betreuer hätte auch sagen können: "Nun, wenn du keine Lust hast dann scheiß drauf, ist ja freiwillig. Hau ab!". Genau das tat er aber nicht, er hat sich mit mir gemeinsam eine Lösung ausgedacht wie man es mir einfacher machen könnte. Das finde ich, ist die richtige Einstellung gegenüber seinen Patienten/Klienten.

Jana, ich möchte dich nicht angreifen und im Grunde genommen kenne ich dich auch gar nicht um urteilen zu können aber ich möchte einfach mal meine Befürchtungen "in den Raum werfen" damit du verstehst was gar nicht geht gerade weil *uns* in einiger Hinsicht das Einfühlungsvermögen fehlt.

[Auf eigenen Wunsch deaktiviert und anonymisiert, mfg [55555]]
19.12.06, 22:56:00
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arlette
(Autistenbereich)

die hauptsache an einer therapie ist für mich das respektvolle verhalten der therapeutin.

methodisch kann vieles vorgeschlagen werden - aber eben vorgeschlagen und eventuell kurz diskutiert, und vor allem akzeptiert, wenn die klientel das nicht will. ich selber hasse rollen- und puppenspiele, auch körperübungen und noch einiges anderes; durch die akzeptanz einer guten therapeutin, die zwar 'viel methodisches in petto hat', dies jedoch nur vorschlägt und mich nicht zu überreden versucht, hatte ich gute erfahrungen gemacht.

die zielsetzung sollte auch offen deklariert sein - wieso schlage ich methode xy genau dieser person vor. da wirst du interessante rückmeldungen erhalten, die dich auch 'bereichern'.
20.12.06, 00:12:26
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Jana
(Autistenbereich)

geändert von: Jana - 20.12.06, 01:35:55

Zitat von Sheila:
...Allerdings sollte der Patient neben der Mitwirkungspflicht auch ein Mitspracherecht haben auch was die Gestaltung der Therapie angeht. ...An sich eine gute Sache und ich wünsche dir viel Erfolg dabei aber du müsstest dir auch vor Augen führen, dass das Prinzip "Wer will wird auch mitmachen" oder so ähnlich zu einfach ist. Diese Rechnung geht bei psychisch beeinträchtigten Menschen nicht auf.

Ich zb. werde vom SPZ betreut. Freiwillig! Nun, die letzten drei Wochen habe ich mich wegen einer Depression nicht gemeldet. Mir ging einfach alles am Arsch vorbei.....
...ich möchte einfach mal meine Befürchtungen "in den Raum werfen" damit du verstehst was gar nicht geht gerade weil *uns* in einiger Hinsicht das Einfühlungsvermögen fehlt.


Hallo Sheila,

danke für dein Feedback und deine Offenheit.

Natürlich ist es wichtig zu erfahren, wie Klienten denken und was sie wollen und was nicht und was sie können und was nicht.

Ich finde es total wichtig, seinen eigenen Weg zu gehen und nicht völlig vom Therapeuten abhängig zu werden.

Natürlich möchten die Klienten auch, dass man sie so annimmt wie sie sind auch mit all ihren Problemen und Unzulänglichkeiten. Und das ist in der Therapie auch ganz wichtig, den Menschen so zu nehmen wie er ist.

Aber eine regelmässige Therapie ist auch wichtig und grade dann wenn man in einer depressiven Phase ist wäre es um so wichtiger die Therapie wahrzunehmen. Aber zwingen kann man natürlich niemanden und auch kann man es jemandem nicht vorwerfen, wenn er zu depressiv ist um das Haus zu verlassen und es ihn dann auch nicht zur Therapie zieht, weil er alles als sinnlos ansieht, ich kann das schon auch verstehen, denn ich leide auch unter Depressionen.

Die Patienten sollten auf jeden Fall Mitspracherecht haben. Ich denke schon, dass die erste Vorraussetzung ist, dass man etwas selbst will, erst dann kann man es auch erreichen. Man kann gegen den Willen niemanden therapieren. Auch wenn jemand in die Therapie kommt, nur jemand anderem zuliebe wird man wenig ausrichten können. Der Wille ist eine wichtige Vorraussetzung. Natürlich kann man trotzdem nicht alles erreichen was man will. Aber selbst wenn ich mir Ziele setze, die zu hoch für mich erscheinen so mache ich dann wenigstens die Erfahrung WAS möglich ist und was ich erreichen kann. Eine Überforderung sollte man sich nicht auferlegen. Daher der Weg der kleinen Schritte. Immer nur einen kleinen Schritt gehen, den nächsten der dran ist und den man gehen will und auf die Art und Weise wie man ihn gehen will.

Die Psychotherapie ist wieder eine andere Sache, als die Körpertherapie bei physischer Erkrankung. Wenn ich einen Patienten mit eine bösartigen Erkrankung der Verdauungsorgane habe, dann wäre es schon sinnvoll die Ernährung umzustellen um die Heilung zu aktivieren. Da geht es dann nicht immer nach dem was man will und was nicht. Mit Ernährungsumstellung kann man mit einfachen Mitteln Dinge bewirken. Aber wenn der Patient es ablehnt kann man auch nichts machen.

Wenn man eine gefährliche Hirnhautentzüdung hat und Antibiotika nehmen muss, dann kann man auch nicht sagen: Ich mag das aber nicht nehmen. Nun man kann schon, aber die Folgen sind möglicherweise nicht so toll.

Aber bei seelischen Erkrankungen und bei Autismus denke ich ist es schon wichtig, dass man Behutsam vorgeht.

Aber was ich nicht okay finde ist, wenn ein Klient jedes Mal zu spät kommt und sagt, dass der Therapeut das akzeptieren müsse und auch nichts dazu sagen darf, weil das zum Bild einer Depression dazu gehört, dass man zu spät kommt. Ich finde auch der Therapeut hat ein Recht auf eine respektvolle Behandlung.

Was ist denn SPZ?
20.12.06, 01:13:39
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Jana
(Autistenbereich)

geändert von: Jana - 20.12.06, 01:29:45

Zitat von arlette:
die hauptsache an einer therapie ist für mich das respektvolle verhalten der therapeutin....durch die akzeptanz einer guten therapeutin, die zwar 'viel methodisches in petto hat', dies jedoch nur vorschlägt und mich nicht zu überreden versucht, hatte ich gute erfahrungen gemacht.

die zielsetzung sollte auch offen deklariert sein - wieso schlage ich methode xy genau dieser person vor. da wirst du interessante rückmeldungen erhalten, die dich auch 'bereichern'.



Ja ich glaube es ist sehr wichtig über ein breites Spektrum an verschiedenen Methoden zu verfügen, die man vorstellen und anbieten kann. Mich interessiert hier halt genau, wie sich Menschen mit autistischen Symptomatiken ihre persönliche Therapie genau vorstellen. Was genau wäre denn eine der Methoden mit denen du gut arbeiten könntest?

Die Zielsetzung soll vom Klienten selbst bestimmt werden. Er soll bestimmen was die Themen sind, die für ihn im Moment am wichtigsten sind und woran er arbeiten will. Ein aktuelles Problem in seinem Leben, das er lösen will und die Art und Weise wie er es lösen will. Das alles soll er selbst bestimmen, der Therapeut bietet Methoden an und der Klient wählt aus, mit welcher Methode er arbeiten will. Er bekommt eine kleine Hausaufgabe die er ausführen soll und dann in der nächsten Stunde berichten, wie es gelaufen ist. In der Stunde kann man dann auch das Problem nochmal akut behandeln. Für die, die Aufstellungen mögen, kann man es nachstellen mit Figuren oder Gummitieren oder Stofftieren und durch Veränderung der Szenerie das Ganze schonmal durchspielen, so verliert es seine Bedrohlichkeit oder Fremdheit. Dann gäbe es noch die Methode, dass man sich im Geiste einen Helfer ausdenkt, den man um Rat fragt. Oder man kann die Szene malen, als Comic. Ich fände es spannend noch von anderen Methoden zu hören, aktuelle Probleme zu behandeln. Man kann auch eine Geschichte dazu schreiben und das Ende so formulieren, dass es gut ausgeht, oder bereits geschehene Dinge umschreiben, so als wären sie anders ausgegangen, man räumt die Option eines anderen Schlusses ein, selbst wenn es nicht so war, im Geiste ändert man es ab. Das sind Teile der Traumatherapie.

Es gibt auch ein Manual für Menschen mit Autismus [Laut Forenregeln diskriminierender Begriff] in dem Übungen sind, für Problemsitutationen und wie man damit umgehen kann.

SOKO Autismus

von Häußler, Happel, Tuckermann, Altgassen, Adl-Amini
20.12.06, 01:26:19
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drvaust
(stillgelegt)

Zitat von Jana:
Man kann auch niemanden zwingen etwas zu tun, was er nicht möchte. Das Problem dabei ist nur, wenn man eine Therapie beginnt um gesund zu werden, dann muss man mitarbeiten, wenn man alles ablehnt was einem helfen könnte, nur weil es einem unangenehm ist, dann kann sich nichts verändern.
Will jeder, der eine Therapie beginnt, generell gesund werden?
Ich beginne eine Therapie, weil ich bestimmte Probleme habe und es mir damit nicht gut geht. Gegen diese Probleme suche ich Hilfe, damit es mir besser geht, auch wenn die Hilfe mal unangenehm ist. Meine Gesundheit ist mir egal, wenn es mir gut geht. Lieber genußvoll gestorben als ein langes ödes Leben.
Ich hatte schon mal eine Psychotherapie abgebrochen, weil mir die Therapeutin eine gesunde Lebensweise einreden wollte, und beleidigt war, weil ich das ablehnte. Außerdem wollte die mich zu einem normalen Leben überreden.
Ich verstehe nicht, daß Ärzte und Therapeuten meinen (oder behaupten), daß die Patienten gesund und lange leben wollen. Wenn ein Patient das ablehnt, wird er als depressiv eingestuft und zwangsbehandelt.

Zitat von Jana:
Das innere Kind ist der Teil der Persönlichkeit von uns, der wir in der Kindheit waren. Und zu der Zeit waren wir ja der Erziehung von Eltern, Lehrern und der Konfrontation mit anderen Erwachsenen und Kindern ausgeliefert und konnten uns wenig wehren.
Zu der Zeit haben viele von uns viele schlechte Behandlungen gefallen lassen müssen, die sich eingeprägt haben und auch Einfluss darauf hatten, wie wir uns entwickelt haben.
... Und die Therapeuten möchten, dass wir dem Anteil von uns der mal ein Kind war, jetzt all das selbst geben, was ein Kind bekommen sollte und damals nicht bekommen hat. Es ist quasi eine Aufholung der versäumten Dinge und somit ein Ausgleich von Defiziten. Oft wird man weil man als Kind schlecht behandelt wurde später ein Erwachsener mit großen Problemen, die man lösen kann wenn man lernt sich selbst das zu geben, was man von anderen nicht bekommen hat.
Wenn wir dann erwachsen sind, können wir lernen uns selbst das zu geben was wir brauchen. ...
Könnte das die Ursache sein, weshalb Erwachsene manchmal in die Rolle eines Kindes fallen? Besonders bei Problemen. Ich benehme mich manchmal spontan, nicht nur bei Problemen, wie ein Kind (oder natürlich?).

Zitat von Jana:
Wichtig finde ich eben deshalb, dass sich jeder die für ihn passende Therapie selbst auswählt, dann aber auch konsequent bereit ist mitzuarbeiten an Veränderungen und auf Ziele hin, die man sich selbst gesetzt hat.
Bei der Auswahl beginnen schon die Probleme. Wenn ich nicht einen passenden Therapeuten empfohlen bekommen habe, kann ich nur aus Verzeichnissen oder Telefonbuch auswählen. Dort steht meistens nur eine Berufs- oder Tätigkeitsbezeichnung, nicht die Spezialisierung. Ich kann schlecht viele Therapeuten besuchen, um dann einen, hoffentlich passenden, auszuwählen.
20.12.06, 07:48:05
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Goldloeckchen
(stillgelegt)

geändert von: Goldloeckchen - 20.12.06, 12:27:24

Zitat:
Zitat von Jana:
Wichtig finde ich eben deshalb, dass sich jeder die für ihn passende Therapie selbst auswählt, dann aber auch konsequent bereit ist mitzuarbeiten an Veränderungen und auf Ziele hin, die man sich selbst gesetzt hat.

Zitat von drauvst:
Bei der Auswahl beginnen schon die Probleme. Wenn ich nicht einen passenden Therapeuten empfohlen bekommen habe, kann ich nur aus Verzeichnissen oder Telefonbuch auswählen. Dort steht meistens nur eine Berufs- oder Tätigkeitsbezeichnung, nicht die Spezialisierung. Ich kann schlecht viele Therapeuten besuchen, um dann einen, hoffentlich passenden, auszuwählen.


Dito, genau das ist für psychisch beinträchtigte Menschen viel zu anstrengend! Ich kann mich nicht von Therapie zur Therapie schlagen nur um herraus zu finden ob der Therapeut geeignet ist. Viel wichtiger finde ich es, dass der Therapeut in einen gewissen Rahmen flexibel bleibt und auf die Wünsche der Patienten eingehen kann und sie nicht in zu hohen Maße überfordert.

Zitat:
Die Psychotherapie ist wieder eine andere Sache, als die Körpertherapie bei physischer Erkrankung. Wenn ich einen Patienten mit eine bösartigen Erkrankung der Verdauungsorgane habe, dann wäre es schon sinnvoll die Ernährung umzustellen um die Heilung zu aktivieren. Da geht es dann nicht immer nach dem was man will und was nicht. Mit Ernährungsumstellung kann man mit einfachen Mitteln Dinge bewirken. Aber wenn der Patient es ablehnt kann man auch nichts machen.


Ein Patient mit Erkrankungen der Verdauungsorgane ist etwas anderes aber wir sprechen hier von Autismus.
Viele Autisten leiden an Essstörungen weil sie entweder sich zu einseitig ernähren oder aus lauter Trägheit die regelmäßige Einnahme vergessen und sich dabei zu falschen Tageszeiten voll stopfen. Genau da beginnt das Problem mit der Ernährungsumstellung...Es kann nichts eingehalten werden was man nicht einhalten kann. Sofern es der Patient wünscht sollte man ihm peau à peau umstellen aber abprupt wird das einfach nicht funktionieren. Deshalb sollte ein Therapeut viel Geduld für seine Patienten aufbringen. Ein Psychiater hat es auch Tag für Tag mit schwierigen Menschen zu tun und sollte schon allein deswegen sich auf die Patienten einstellen können. Leider sieht die Realität oftmals anders aus. Ich mache Psychiater aber nicht grundsätzlich schlecht es gibt auch gute.

Ach, als krank würde ich mich auch nicht definieren. Ich habe lediglich ein paar Symptome die ich gern "abmildern" möchte damit das Leben einwenig leichter wird. Geheilt will ich jedoch nicht werden. Das würde zu Identitätskrisen führen wenn ich anfangen würde gegen meine Persönlichkeit zu arbeiten.


[Auf eigenen Wunsch deaktiviert und anonymisiert, mfg [55555]]
20.12.06, 07:54:39
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Goldloeckchen
(stillgelegt)

geändert von: Goldloeckchen - 20.12.06, 19:18:43

Zitat:
Wenn man eine gefährliche Hirnhautentzüdung hat und Antibiotika nehmen muss, dann kann man auch nicht sagen: Ich mag das aber nicht nehmen. Nun man kann schon, aber die Folgen sind möglicherweise nicht so toll.


Natürlich hast du damit Recht. Aber dieser Vergleich steht in keinen Verhältnis zum Autismus. Das autistische Spektrum ist genauso vielschichtig wie die Persönlichkeit der Autisten selbst und aus diesen Grunde sollte ein Therapeut in der Lage sein die Therapie an die Bedürfnisse den Patienten individuell anzupassen. So eine Autismus-Therapie ist nämlich weitaus komplexer und abstrakter als eine Medikation gegen Hirnhautentzündung.

Zitat:
Was ist denn SPZ?


Sozialpsychiatrisches Zentrum

[Auf eigenen Wunsch deaktiviert und anonymisiert, mfg [55555]]
20.12.06, 10:19:08
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arlette
(Autistenbereich)

Zitat von Jana:
Ja ich glaube es ist sehr wichtig über ein breites Spektrum an verschiedenen Methoden zu verfügen, die man vorstellen und anbieten kann. Mich interessiert hier halt genau, wie sich Menschen mit autistischen Symptomatiken ihre persönliche Therapie genau vorstellen. Was genau wäre denn eine der Methoden mit denen du gut arbeiten könntest?

wie gesagt, die frage zu beantworten finde ich schwierig. bevor die frage nach methoden gestellt werden kann, müssten die fragen nach grundhaltung, bevorzugten strömungen in der therapie und die eigene positionierung/reflektion diesbezüglich geklärt sein; eine methode abgekoppelt davon vorzuschlagen, halte ich für unsinnig.

Zitat von Jana:
Die Zielsetzung soll vom Klienten selbst bestimmt werden. Er soll bestimmen was die Themen sind, die für ihn im Moment am wichtigsten sind und woran er arbeiten will.

das ist ja wohl klar. wie will eine therapeutin eine zielsetzung für einen klienten finden? das wäre bereits ein manipulativer übergriff und würde zudem gar nichts bringen.

Zitat von Jana:

Ein aktuelles Problem in seinem Leben, das er lösen will und die Art und Weise wie er es lösen will.

hier finde ich die unterscheidung zwischen lösungsfokussierter und lösungszentrierter arbeit interessant. manchmal ist nach meiner meinung lösungsfokussiert arbeiten viel interessanter (z.bsp. shazer und seine wunderfrage), da es manchmal relativ schnell eruierbare fortschritte gibt.

Zitat von Jana:
Für die, die Aufstellungen mögen, kann man es nachstellen mit Figuren oder Gummitieren oder Stofftieren und durch Veränderung der Szenerie das Ganze schonmal durchspielen, so verliert es seine Bedrohlichkeit oder Fremdheit. Dann gäbe es noch die Methode, dass man sich im Geiste einen Helfer ausdenkt, den man um Rat fragt. Oder man kann die Szene malen, als Comic.

visuell denken können nicht alle. mein kleiner sohn mit ASS kann das nicht, so erstaunlich das auch ist (ich kann es oft kaum fassen, da ich nur visuell denke und fotografisch memoriere / zudem kenne ich kaum jemanden mit AS/ASS, der/die nicht visuell denkt). dementsprechend sind für ihn solche methoden oft sehr beeindruckend; davon erzählt er mir dann meist ziemlich aufgeregt. die andere seite: gerade, weil ich visuell denke, würde ich sowas überhaupt nicht mögen; ich würde mich als trottel behandelt fühlen. ich denke, bei aufstellungen sollte dies beachtet werden; ich bin schon 1x aus einer therapie rausgelaufen, weil ich keine lust hatte, mit gummitieren eine familiensituation aufzustellen, da für mich dieser teil der reflektion schlicht und einfach schon gelaufen ist. wäre die therapeutin clever genug gewesen (es war wegen einem meiner kinder), hätte sie mich fragen können, ob ich das ding aufstellen und meine bereits gemachten reflektionen dazu mitteilen möchte; dann wäre eine basis dagewesen, bei der ich auch an ihrer wahrnehmung interessiert gewesen wäre, aber darauf hat sie sich nicht eingelassen. dies jedenfalls würde ich bedenken, wenn du mit visuell denkenden menschen arbeiten möchtest.

Zitat von Jana:
Ich fände es spannend noch von anderen Methoden zu hören, aktuelle Probleme zu behandeln.

was ich gerne mag: aus dem systemischen coaching: 2. beste lösung / ressourcentransfer / nutzenkonzept // das innere team von schulz von thun // bei therapie: eine gute mischung aus tiefen- und verhaltenspsychologie // bei coaching: eine systemische coachinghaltung, die aber auch erkenntnisse aus dem behavourismus einbezieht (also nicht nur radikaler konstruktivismus; dieser ansatz ‚pur’ ist m.e. nur für neurologisch typische geeignet)
20.12.06, 20:08:22
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