55555
(Fettnäpfchendetektor)

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geändert von: 55555 - 01.06.16, 19:07:58
Zitat:
Eine Ladenbesitzerin in Neukölln hat ein Hausverbot für Roma ausgesprochen und einen entsprechenden Aushang in ihrem Fenster platziert. Mittlerweile läuft gegen sie ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Volksverhetzung, wie Polizeisprecher Michael Gassen bestätigte. Das Schild musste sie auf Weisung der Polizei abhängen. Darauf stand unter anderem, es handele sich bei den Roma um eine "auf Raub und Betrug spezialisierte Bevölkerungsgruppe". Dazu zeichnete sie ein rotes Verbotsschild, das Wort "Roma" durchgestrichen. Wegen dieses Vorgehens wird die Frau seitdem kritisiert – und fühlt sich zu Unrecht verfolgt.
Ein Besuch. Die Emser Straße liegt in strömendem Regen, die Jalousie des Esoterik-Ladens "Regenbogenlicht" ist heruntergelassen. "Die Kräuterhexe schläft manchmal gern länger", sagt eine Frau aus der Nachbarschaft. "Sie ist eigentlich ganz nett und sicher keine Rassistin. Mit dem Schild ist sie aber definitiv zu weit gegangen."
Ans Telefon geht Ladenbesitzerin Ingrid S. aber schon: "Wegen der permanenten Diebstähle wird der Laden erstmal geschlossen bleiben", sagte sie dem Tagesspiegel. Das Schild habe sie abnehmen müssen, weil die Polizei das von ihr verlangt habe. "Ich habe mit Rassismus wirklich nichts am Hut", betont sie und fragte: "Wie soll ich mich denn wehren?" Sie habe keine Lust, jetzt durch den Dreck gezogen zu werden. Sie habe lediglich ihr Hausrecht ausgeübt – was sie laut Polizei auch darf. Nur vielleicht nicht auf diese Art und Weise.
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Ingrid S. sagt: "Sie kommen und wollen etwas kaufen, sie bezahlen immer mit einem großen Geldschein, ich gebe das Wechselgeld raus - und am Ende fehlt das ganze Geld aus der Kasse, auch der große Schein, mit dem bezahlt wurde." Die Frauen sähen schwanger aus, seien es aber nicht - sie nutzten die Bauch-Attrappen, um das Diebesgut hineinzustopfen. Die Polizei wollte sich zu dieser Beschreibung zunächst nicht äußern.
In den umliegenden Geschäften wird die Darstellung von Ingrid S. zum Teil bestätigt. "Man muss sich schon sehr dagegen wehren, beklaut zu werden", sagt eine Nachbarin, die ebenfalls einen Laden hat und das Phänomen kennt, billige Kleinigkeiten mit großen Scheinen zu bezahlen. Auch Ingrid S. ist ihr bekannt. Ein Cafébesitzer will sich zu dem Thema nicht äußern. "Die Roma sind auf jeden Fall da, das stimmt." Mehr sagt er nicht.
Ingrid S. beklagt, sie habe mehrfach die Polizei gebeten, die Straße häufiger zu bestreifen. Auch in den umliegenden Geschäften werde massiv geklaut. Die Polizei aber habe nicht geholfen. Polizeisprecher Gassen sagt dazu: "Eine Anzeige wegen Ladendiebstahls hat Frau S. anscheinend nicht erstattet, jedenfalls liegt uns bisher keine vor." Ob die Zahl der Diebstähle gestiegen ist, seit die Roma in der Straße wohnen, war nicht so schnell zu klären.
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Die Antidiskriminierungsbeauftragte Lüders sagte auf Tagesspiegel-Anfrage: "Leider erleben wir immer wieder, dass Diskotheken, Fitnessstudios oder wie in diesem Fall Geschäfte Menschen pauschal ausschließen. Wer das tut, grenzt aus und verstößt gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Betroffene, die vor Gericht gegen Diskriminierungen vorgehen, haben Anspruch auf Schadensersatz."
Quelle
Kaum Polizei, kaum Verfolgung von "Kleindelikten" (mitunter verweigern Polizisten vor Ort eine Anzeige aufzunehmen, versuchen davon abzubringen oder beraten falsch, gerade in solchen Fällen, in denen sie als Polizei auch beschmipft werden Nazis zu sein, weil sie solche Fälle verfolgen würden), dafür Verfolgung von ratlosen Leuten. Wenn wegen soetwas Antidiskriminierungsgrundsätze politisch fallen, weil sie in solchen Fällen praktisch unhaltbar werden, dann betrifft das auch uns.
Mancherorts steckt man Eltern ins Gefängnis, die ihre Kinder aus ideellen Gründen nicht zum Arzt bringen. Anderswo schützt man fremde Kulturen mittels Strafen vor Kontakt und Einmischung.
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