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Asperger in die Regelschule, Frühk.Autismus Förderschule

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27.09.11, 09:09:55

starke Dame

Hallo 5,

das stimmt - leider weiß man vorher garnicht wie es mit der Schule klappt, ich habe natürlich Sorgen, doch gibt es im Grundschulbereich aktuell wirklich wenig Alternativen.

Doch dieses Schubladendenken muss aufhören, wer weiß, vielleicht gibt es einfach Möglichkeiten und Regeln, dass eine Klasse mit mehreren Schülern autistentauglich wird?
27.09.11, 17:14:45

Vendela

Das hilft dir zwar wahrscheinlich wenig, starke Dame, aber es gibt Unterschiede zwischen den Bundesländern / Ländern. Z.B. in Bayern ist ein Wechsel von der Förderschule auf eine Regelschule (auch Gymnasium) nicht immer einfach, aber möglich. Ein Vorteil der Förderschule kann dort sein, dass das Thema Autismus thematisiert werden kann, Schüler sich selbst und ihre Bedürfnisse besser kennen lernen und Probleme/Strategien im Umgang mit NA diskutieren können. Das kann als Vorbereitung z.B. für den Wechsel auf eine Regelschule hilfreich sein. Ist meiner Erfahrung nach
aber sehr schul- und lehrerabhängig, inwieweit das auf sinnvolle Art und Weise passiert.

In Österreich entscheiden die Eltern, ob ihr Kind auf eine Förder- oder eine Regelschule geht. Auf den Regelschulen gibt sog. Integrationsklassen, in denen neben Lehrern mit Standard-Ausbildung Integrationslehrer unterrichten.


Zitat von starke Dame:

Doch dieses Schubladendenken muss aufhören, wer weiß, vielleicht gibt es einfach Möglichkeiten und Regeln, dass eine Klasse mit mehreren Schülern autistentauglich wird?


Möglichkeiten gäbe es sicher, hängt aber genauso von den Lehrern und deren Einstellung zu Autismus / Inklusion, Vorwissen über Autismus und pädagogischem Know-How ab.
27.09.11, 18:20:52

starke Dame

Hallo,

lt. dem Gespräch mit dem Kinderpsychologen ist mein Sohn einfach zu intelligent, die Gefahr besteht, dass er sogar in der Regelgrundschule erst einmal vom Unterrichtsstoff her unterfordert sein wird. Denn wenn er etwas lernt, dann extrem schnell.

Die Förderschule klappt bei uns einfach garnicht, da hier die Kinder in den Förderschulen nicht wechseln sollen, meistens bleiben sie da und kommen nicht weg. Ich lebe in einem Dorf, da gibt sich die Regelschule mit einem Autisten wesentlich mehr Mühe.

Na, was soll´s, ich habe heute die Anmeldeformulare bekommen und werde ihn für die Regelschule anmelden, ich wüsste echt nicht was sonst in Frage käme.

LG Starke Dame
28.09.11, 13:09:05

Hans

Zitat von starke Dame:

lt. dem Gespräch mit dem Kinderpsychologen ist mein Sohn einfach zu intelligent, die Gefahr besteht,
dass er sogar in der Regelgrundschule erst einmal vom Unterrichtsstoff her unterfordert sein wird.
Denn wenn er etwas lernt, dann extrem schnell.

So wars bei mir.
Zitat von starke Dame:

Na, was soll´s, ich habe heute die Anmeldeformulare bekommen und werde ihn für die Regelschule anmelden,
ich wüsste echt nicht was sonst in Frage käme.

Wüsste ich jetzt auch nicht. Nur zu, ich drücke die Daumen.
29.09.11, 00:23:51

wolfskind

geändert von: wolfskind - 29.09.11, 00:27:30

man konnte per "drehtürenmodel" in bestimmten fächern an der höheren stufe teilnehmen,
um angemessen gefordert zu sein.
ich hätte eine klasse überspringen sollen sowohl in grundschule als auch im gymnasium.
in den fächern in denen ich unterfordert war, bekam ich extra aufgabenblätter
und sonderaufgaben, was mich noch mehr zum "opfer" machte,
da natürlicher jeder mitbekam dass ich für mich arbeitete und bei der ergebnis-bekanntgebung der anderen, nicht von meiner arbeit aufschaute.

ich durfte in einem extra raum arbeiten (nicht in allen fächern)
und leitete eine gruppe die sich mit uni-stoff befasste.
das war aber außerhalb der unterrichtszeit.
ich schrieb in diesem zusammenhang zeitungsartikel und eine zusammenstellung
die bei einer podiumsdiskusion zum thema schulmodelle vorgelegt wurde,
dafür bekam ich einen kleinen preis.
ich musste dafür nichts tun was mich überlastet hätte, konnte in meinem maß arbeiten und ergebnisse liefern.
30.09.11, 10:46:16

wolfskind

Zitat:
Seit diesem Schuljahr ist der Elfjährige Gymnasiast. Er ist Schüler der Klasse 5/3 am Goethe-Gymnasium in Bischofswerda. „Ein Wagnis“, sagt Schulleiter Bodo Lehnig, „aber eins, das sich wirklich einzugehen lohnt für den Jungen.“

..
Die Heilerziehungspflegerin aus Rammenau ist seit der ersten Klasse an seiner Seite. Wie ein Schutzengel. Sie ist seine Sicherheit. Seine Orientierung durch das riesengroße altehrwürdige Schulhaus. Seine Ordnung im Tagesablauf. Sein Halt im lauten Gewimmel Hunderter Schüler. Seine unauffällig helfende Hand im Unterricht. Das Lernen schafft Noah alleine. Gespannt sitzt er hinten in seiner Bank und hört zu, was die Lehrerin vorn an der Tafel erzählt. Und auch wenn es manchmal so aussieht, als ob er ganz abwesend wäre, ganz in sich selbst versunken, verpasst er offenbar nichts vom Geschehen um ihn herum. Nur geht es eben ein bisschen langsamer als bei den anderen, wenn er mitschreibt, braucht er eben ein bisschen länger als die anderen, um eine Aufgabe zu lösen. Aber er löst sie. Noah ist ein guter Schüler. „Toll!“ und „Sehr gut!“ steht unter vielen der fertigen Arbeitsblätter in seinem Hefter.

Die Lehrerin vorn stellt Fragen. Viele melden sich. Noah nicht. Er meldet sich nie. Er gibt auch fast nie eine Antwort, wenn ihn jemand etwas fragt. Seine Mitschüler irritiert das manchmal. Obwohl sie ja wissen, dass Noah so ist, wie er ist. Annelen Mrosowski, die Klassenlehrerin der 5/3, hat ja lange mit ihnen über Noah gesprochen, hat ihnen erklärt, was Autismus ist. Auch ihren Eltern hat sie das beim Elternabend erklärt. Aber die Berührungsängste der Kinder werden schwinden, da ist sich Annelen Mrosowski sicher. Als Noahs Betreuerin kürzlich mal eine Weile nicht da war, erzählt sie, da haben zwei andere Jungen ganz selbstverständlich die Rolle als Schutzengel übernommen. Und die ganze Klasse hat darauf geachtet, dass Noah auch immer gut hinterherkommt.

Noah zeigt so gut wie nie, was er fühlt. Oft steht er regungslos, als ob er nicht weiß, was er hier überhaupt will und was er jetzt tun soll. Manchmal aber, da macht er mit wie alle anderen.


Link
30.09.11, 11:06:42

starke Dame

Hallo,

bis dahin ist es ein weiter Weg, wenn ich im RL noch auf Menschen treffe, die behaupten frühk.Autismus geht mit Intelligenzminderung einher.

Auf einem Elternabend, was Kinder für die Schule können müssen, hieß es, wir sollen sie nicht ausbremsen, wenn sie etwas möchten, sollen wir es tun.
Vorher habe ich das nicht gemacht, ich hatte Angst es wäre falsch und er würde sich nur noch diesen Dingen widmen, jetzt lasse ich es zu.

Es werden Heft zum Vorschultraining gelöst und auch die ersten Zähl- und Rechenaufgaben für das 1. Schuljahr, ich weiß zwar nicht wo das hinführen wird, doch liebt er nach wie vor Zahlen und Buchstaben, es klappt immer besser mit dem Malen, auch da hat er viel Spaß, die Schule beginnt nächstes Jahr, ich weiß nicht welchen Wissensstand er dann erreicht haben wird, doch werde ich ihn nicht mehr behindern, im wahrsten Sinne des Wortes.

Ich hoffe, dass er später auch auf der weiterführenden Schule die freie Schulwahl hat.

Mal sehen wie es laufen wird.

LG Starke Dame


PS. Es macht mir aber viel Mut, danke.
01.10.11, 13:16:29

wolfskind

Zitat:
Wenn Eltern wollen, dass ihr Kind die Schule ihrer Wahl besucht, ist dieser Wille ausschlaggebend. Das gilt auch für Eltern, deren Kinder eine Lernschwäche oder emotional-soziale Auffälligkeiten zeigen – kurzum Förderbedarf haben. Das Inklusionsgebot gibt diese Möglichkeit.

..
Existieren Vorbehalte von Eltern, deren Kind keine Behinderung aufweist?

In Grundschulen ist dies kein Thema mehr. An den weiterführenden Schulen wird es gesonderte Lerngruppen geben, damit jedes Kind individuell und bedarfsgerecht gefördert werden kann: das kann teilweise getrennt geschehen, ist aber auch gemeinsam, etwa im Kunst-, Musik- und Sport-Unterricht, möglich. Inklusion darf nicht dazu führen, dass normal begabte Kinder weniger lernen oder benachteiligt werden. Andererseits haben wir Kinder mit Behinderungen [Laut Forenregeln diskriminierender Begriff] über Jahre hinweg schulisch ausgegrenzt. Das wird jetzt anders. Inklusion ist das Mega-Schulthema dieses Jahrtausends. Und Inklusion ist kein Thema der Schulform. Auch in Zukunft wird nicht jeder Schüler Abitur machen.


Quelle
 
 
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