Tiefensensibilität
27.02.11, 18:05:39
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Dazu gab es anscheinend noch keinen Thread. Also hier ein Zitat dazu als Besonderheit autistischer Wahrnehmung:
Zitat:
Bei der Tiefensensibilität geht es um die Eigenwahrnehmung des Körpers. Sie umfasst Empfindungen über die Lage des eigenen Körpers und seine Position im Raum, über den Spannungszustand von Muskeln und Sehnen sowie den Bewegungssinn, durch den eine Bewegungsempfindung und das Erkennen der Bewegungsrichtung ermöglicht wird.
Einige Autist_innen berichten, Schwierigkeiten mit der Tiefensensibilität zu haben. Dafür spricht, dass einige grob- und feinmotorisch ungeschickt sind, z.B. eine unleserliche Handschrift haben, im Sport ungeschickt sind oder regelmäßig gegen Möbel stößen.
Quelle
Was meint ihr? Ist das eine autistische Eigenschaft oder eine allgemeinmenschliche Folge von Überlastung?
27.02.11, 18:28:24
an3010
ich stoße ständig gegen etwas , schreibtische , schubkarren ,tische.
ich bin feinmotorisch absolut ungeschickt ,bin schon immer der grobmotoriker gewesen.
Jetzt könnte es sein ,dass ich eine Brille habe und sie nicht aufsetzte, aber ich bin kurzsichtig und brauche sie in der weite.
Ich habe Probleme in der Eigenwahrnehmung meines Körpers.
Ich muß bewußt meine Körperteile suchen um zu wissen,wo sie sind.
Spritzen im Mund - bitte Zunge nach links - ja wo ist die Zunge
schieben des Unterkiefers nach rechts- nicht nach links - wo war der unterkiefer
27.02.11, 18:55:54
schneeweiß
bitte Zunge nach links - ja wo ist die Zunge
schieben des Unterkiefers nach rechts- nicht nach links - wo war der unterkiefer
Das kenne ich von meinem Sohn. Er lispelte früher sehr stark und war deshalb in logopädischer Behandlung. Es fiel ihm sehr schwer, die Zungenübungen nachzumachen, also z.B. mit der Zunge einen bestimmten Fleck im Mund zu berühren.
Er konnte/kann seine Kraft nicht gut dosieren. Deshalb bekam er in der Schule beim Zweifelderballspiel oft Ärger, weil er die anderen Kinder mit solche Wucht abwarf, dass sie davon Schmerzen hatten und weinten. Seine Schrift ist zwar nicht schlecht, wenn er langsam schreibt. Er hält aber den Stift so verkrampft, dass ihm nach kurzer Zeit die Hand weh tut. Jetzt darf er in der Schule am Laptop schreiben, was eine große Entlastung ist.
28.02.11, 17:27:56
mockingbird
Die Tiefensensibilität ist bei mir ganz unterschiedlich. Wenn ich tanze, bin
ich eine leichtfüßige Elfe und die Frauen schmelzen dahin in meinen Armen.
(das ist jetzt nur ´n bisschen Angeberei, der Rest ist Realität ;) )
Ansonsten gebrauche ich bruchfestes Mobiliar und möglichst viel Platz um
mich rum. Ich "kann" mit den einfachsten Handlungen Gegenstände von den
unmöglichsten Plätzen runterreißen ... obwohl ich eine sogar zeimlich ausgeprägte
Körperwahrnehmung habe. Keine Ahnung, wie das zusammen paßt.
Zitat:
Er hält aber den Stift so verkrampft, dass ihm nach kurzer Zeit die Hand weh tut
Das kenne ich gut. Alles, was mit anfassen und festhalten zu tun hat,
umklammere ich dermaßen, als würde ich befürchten, jemand wolle mir
meinen größten Schatz wegnehmen. Hängt bei mir, denke ich, mit dem
Kontrollbedürfnis zusammen. Einiges habe ich durch viel Achsamkeitsübung
abgemildert gekriegt, aber einiges auch nicht (Stift halten und schreiben z.B.
Beim Schreiben drücke ich auch dermaßen auf, daß man den Durchdruck
noch 5 Seiten weiter sieht.).
01.03.11, 09:54:59
Schneekugel
Bei mir kommts irgendwie drauf an, ob ich mich darauf bewusst konzentriere oder nicht. In der Schule habe ich sogar Geräteturnen gemacht, also generell ist das Körpergefühl schon da solange ich mich wirklich aktiv auf die Bewegung gerade jetzt konzentriere.
Im normalem Tagesverlauf wo man natürlich nicht ständig auf jede kleine Bewegung super bewusst achtet, fallen mir dafür ständig Dinge runter, laufe irgendwo beiläufig dagegen (Tischkanten wenn ich ums Ecke gehe usw...) usw... Bei unserem innerem Freundeskreis ist es eine Art Running Gag, dass mein Partner mich wohl ständig verhauen würde, da ich prinzipiell irgendwo ein halbes Dutzend blaue Flecken bzw. Blutergüsse habe ohne darauf spontan antworten zu können woher sie stammen. Einfach weils halt für mich normal ist im Tagesablauf und ich mir dementsprechend nicht ständig merke wo ich mir was wieder angehauen habe. Bei NTs dürfte das anscheinend so selten sein, dass die sich wirklich ständig merken wo sie sich was warum angehaut haben, wenn sie sich mal was anhauen.
01.03.11, 10:42:34
Antika
Bei mir ist es auch so wie Schneekugel es hier beschreibt. Ich muss mich auf meine Bewegungen im Alltag voll konzentrieren, sonst gibt es blaue Flecken oder Stürze. Auch beim Laufen in der Stadt drifte ich immer zu einer Seite hin ab. Merke das selbst nicht, aber diejenigen die neben mir herlaufen schon.
Manchmal fallen mir auch einige Sachen aus der Hand und ich merke das nicht. Spüre also nach einer gewissen Zeit nicht mehr dass ich was in der Hand halte. Wenn ich mit meinen Hunden spazieren gegangen bin, habe ich mir dann die Hundeleine immer fest um das Handgelenk geschnürt, denn sonst hätte ich das irgendwann nicht mehr gemerkt.
Ich habe auch oft Probleme mit dem Laufen wenn ich neue Schuhe trage. Da muss ich mich voll auf das Laufen konzentrieren. Wenn ich das nicht mache, stürze ich zu Boden. Habe ich mich dann aber an meine neuen Schuhe gewöhnt, geht es besser. Dennoch muss ich mich weiterhin auf das Gehen konzentrieren. Nur wenn ich barfüßig unterwegs bin, muss ich das nicht.
01.03.11, 11:48:53
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Bei mir kommts irgendwie drauf an, ob ich mich darauf bewusst konzentriere oder nicht. In der Schule habe ich sogar Geräteturnen gemacht, also generell ist das Körpergefühl schon da solange ich mich wirklich aktiv auf die Bewegung gerade jetzt konzentriere.
Da wäre für mich halt die Frage, wie es unter weniger belastenden Lebensumstände wäre. Die Belastungen rauben ja Autisten oft massiv die Breitenkonzentrationsfähigkeit.
01.03.11, 13:32:45
horrorvren
Ich habe schon den Eindruck, dass jedenfalls bei mir vieles durch die Lebensumstände zustande kommt. Das was Schneekugel und Antika schreiben, ist/war bei mir auch so.
Allerdings hat sich bei mir, seit ich nicht mehr in die Schule gehe, einiges verändert. Ich bin viel entspannter und habe auf einmal Kapazitäten für alles mögliche.
Unter anderem laufe ich mittlerweile nicht mehr ständig irgendwo dagegen, ich kann (meistens) volle Gläser tragen , ohne die Hälfte zu verschütten, bin nicht mehr übersät mit blauen Flecken...ohne dass ich mich bewusst mehr auf meine Bewegungen konzentrieren würde.
Jetzt, wo ich Semesterferien habe, ist es nochmal besser als es während des Semesters war.
01.03.11, 13:48:50
Ozelot
Was bei mir auffällt ist wenn ich unter Menschen bin dann bin ich auch motorisch ungeschickt. Zum Beispiel früher im Sportunterricht bei Ballspielen...einfach unangenhem oder als ich am OHP was schreiben sollte zitterten meine Hände. Ich konnte kaum schreiben. Aber wenn ich alleine bin, dann klappt das deutlich besser. Alleine Joggen durch den Wald macht dann richtig spass. Schreiben kann ich dann auch sauberer. Wenn ich alleine bin klappt meine Motorik viel besser als wenn mich die Umgebung "stört".
01.03.11, 22:11:02
Fundevogel
Ist das eher ein allgemein menschliches Problem?
Wenn ich unter Stress stehe, verliere ich das Gefühl für meine Breite und renne gegen die Türrahmen oder entgegenkommende Menschen (Sehen scheint beeinträchtigt?), verliere öfter was aus den Händen und meine Spucke sammelt sich im Mundraum, weil sie nicht mehr instinktiv heruntergeschluckt wird.
Das ist aber auch bei anderen zu beobachten.
Wenn ich mich dann innerlich sammele und für eine kleine Zeit inne halte, dann lassen diese "Ausfälle" nach.
02.03.11, 18:03:47
Herr Meier
Wenn ich mich sehr auf etwas konzentriere, kann ich eigentlich fast alles. Ich habe noch nie etwas empfindliches oder wertvolles fallen lassen, weil ich dann besonders darauf achte, wo ich hintrete, usw.
Aber im normalen Alltag stolpere ich auch öfter mal über alle möglichen Gegenstände oder mir fällt auch manchmal was runter.
Seit ich mich einmal auf einem Stück Brennholz abgestützt habe, als ich über meine eigenen Füße gefallen bin und dabei in einen Nagel gegriffen habe, achte ich allerdings auch schon bewußter darauf, wo ich hinfalle. Sowas ist mir seitdem nicht wieder passiert. Auch wenn man es mit der Motorik nicht so perfekt drauf hat, man kann das Problem bis zu einem gewissen Grade also auch bewußt beeinflussen.
02.03.11, 18:59:14
mockingbird
Ja, in den Schauspielschulen gibt es extra Hinfall-Kurse, damit die
angehenden Schauspieler nach allen Regeln der Kunst stürzen können ...
Ich hab mir das auch selbst beigebracht ;)