Autismus und ADHS - Medikation mit Methylphenidat - Eure Erfahrungen?
23.01.11, 14:23:51
baum
ich finde keine ruhe.
wie schon geschrieben, ich kann die äußeren umstände zur zeit nicht ändern oder beeinflussen.
nachmittags/abends bin ich manchmal so gestresst und fertig, dass ich bis nachts brauche, um mich wieder zu sammeln, falls mir das überhaupt gelingt. dann geht wenige sutnden später alles wieder von vorne los.
23.01.11, 14:39:37
55555
ich kann die äußeren umstände zur zeit nicht ändern oder beeinflussen.
Rein aus formaler Sauberkeit merke ich an, daß du durchaus können dürftest, denn gefangengehalten wirst du wohl nicht? Wenn du nicht "kannst" meinst du vermutlich, daß deine Gesundheit dir weniger bedeutet als irgendwelche gesellschaftlichen Werte von Konformität und Karriere? Diese Werte kannst du auch gerne hochhalten, sie sprachlich aber völlig zu leugnen finde ich nicht angemessen.
23.01.11, 14:48:46
baum
stimmt so nicht ganz, 55555.
ich "könnte" rein theoretisch alles hinschmeißen. ABER die langfristige konsequenz daraus wäre für mich deutlich belastender, als die nächste zeit zu überstehen. ich habe genau das schon so oft getan und mir damit viel "verbaut". ICH kann es also nicht.
ich hatte nach einem erfahrungsbericht gefragt. ich wollte keine diskussion anfangen, sondern lesen, wie es anderen ergangen ist, die dieses medikament bekommen haben, weil ich mir nicht wirklich sicher bin, ob ich mir das zusätzlich antun möchte.
23.01.11, 14:52:51
55555
Dennoch noch eine kleine Anmerkung: "Können" bedeutet, daß man die Möglichkeit hat. Eine Abwägung zwischen Möglichkeiten wie du sie vornimmst schränkt die Möglichkeiten nicht ein, sondern trifft eine Entscheidung über die Nutzung der vorhandenen Möglichkeiten.
24.01.11, 03:17:24
Hans
"Och Fünfer, jetzt sei doch nicht so ... ",
der baum hat was durch zu stehen, damit er es später leichter hat,
das kommt im Leben öfter vor, da stecke ich auch gerade in was drin,
daß ich oft nicht einschlafen kann, weil mich Gedanken so aufregen,
daß ich die halbe Nacht unter Adrenalin stehe.
Man kann eben im Leben nicht immer alles Belastende vermeiden
und manchmal kommt es dick.
Meine Empfehlung zum Thema ist, bevor ich da so einen Pharma-Sch... fresse,
trinke ich alle paar Tage mal ein Weißbier, Hopfen beruhigt auch.
24.01.11, 06:58:44
Mama
Ich habe noch eine Packung "Methylphenidad" in der Medikamentenaschublade liegen. Als es mein Sohn damals nahm habe ich mehrmals überlegt es auch einmal zu nehmen, um die Wirkung zu spüren. Ich bin bei Medikamenten aber größtenteils sehr ängstlich aufgrund der Nebenwirkungen. Die Nebenwirkungen bei Methylphenidad können Depressionen sein. Mein Sohn litt an diesen. Ein Antidepressivum ist auch noch in dieser Schublade (wurde nie eingenommen).
Wenn an einem Auto eine Signallampe aufleuchtet, sagt mir diese das etwas nicht stimmt. Wenn ich diese Lampe einfach ausbaue (Medikamente einnehme) ist die Fehlerquelle immer noch da. Ich werde lediglich nicht mehr darauf hingewiesen. Besser ist es den Fehler zu suchen, so daß ich ihn dauerhaft beheben kann.
@baum
Meine eigene Erfahrung:
Wenn etwas zu viel wird, mich zu sehr aufreibt dann lege ich eine Pause ein. Nach dieser Erholung ist mein Blick klarer und ich kann die Ursachen beheben.
24.01.11, 09:16:33
starke Dame
Hallo Baum,
ich habe keine Erfahrung mit dem Medikament und kann nur beschreiben, was ich mache, wenn ich bei meinem Sohn merke, er schafft es nicht seine innere Ruhe zu finden.
1. Raus gehen, lange spazieren,
2. Einen Raum komplett abdunkeln, wir nutzen dafür meist das Schlafzimmer, da wir dort komplett verdunkeln können und dann eine gedämpfte Beleuchtung wählen, die er mag und die er auch ausschalten kann, wenn ihm danach ist.
Dann liegen wir im dunkeln und entspannen, das kann mit etwas variiert werden was man mag, ruhige Musik, beruhigendes Lichtspiel, Duftlampe, falls bestimmte Gerüche etwas beruhigen.
Nach 1 Std. wird das Rollo hoch gezogen und wir werden langsam alle munter.
Wir versuchen diese zwei Dinge täglich zu machen. Nach dem Spaziergang essen wir meistens und danach wird entspannt, so dass man Energie für die 2. Tageshälfte sammeln kann.
Mein Sohn ist allerdings erst 4 Jahre alt und ich weiß nicht wie groß Kinder in diesem Alter Stress empfinden können und wie unterschiedlich sich das bei erwachsenen Autisten verhält. Ich weiß nur, danach ist mein Sohn sehr ausgeglichen und es geht ihm gut.
Wahrscheinlich kannst Du das nicht 1:1 auf Dich umsetzen, doch vielleicht gibt es etwas, wass Dich beruhigt und die Stimulation so stark ist, dass Du wirklich von Deinem Stress eine Stunde Urlaub machst.
24.01.11, 10:37:15
baum
danke für eure antworten!!
ich bin diese woche erst einmal "krank". muss mir jetzt neue strategien zurecht legen und nochmal gründlich überlegen, welche möglichkeiten noch bleiben, was zu ändern.
24.01.11, 11:59:59
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der baum hat was durch zu stehen, damit er es später leichter hat,
Kann sein, ich weiß es nicht, vor allem weiß ich zur eigentlichen Frage kaum etwas mitzuteilen. Was ich allerdings weiß ist, daß manche Menschen sich in solchen Belastungssituationen tatsächlich einbilden es gäbe weit weniger Optionen als es tatsächlich gibt. Das trägt dann mitunter dazu bei, daß sie sich erst recht verrennen. Was in dieser konkreten Situation gut wäre weiß ich nicht.
24.01.11, 15:25:47
Mama
@baum
Gut.
Diese Strategie hat mir immer schon geholfen. Dir sicherlich auch ;)
24.01.11, 22:55:37
drvaust
Baum schrieb, daß er dem Streß momentan schlecht entgehen kann. Was es genau ist, schrieb er nicht.
Manchem vorübergehenden Streß kann man wirklich schlecht entgehen, und da kann man auch keine größere Pause machen.
Gegenwärtig könnten Abschlußprüfungen sein, Ende des Semesters, da muß man irgendwann durch, um einen Abschluß zu bekommen.
Dem Prüfungsstreß zu entgehen, indem man jetzt eine Pause macht und die Prüfungen auf die Zukunft verschiebt, macht das, in Zukunft, eher schlimmer. Da muß man irgendwie durch, sonst war es umsonst. Ich hatte auch schon vor Prüfungen Drogen genommen, aber da wußte ich, wie die wirken und wie die mir bekommen.
Also der Rat, jetzt eine Pause zu machen, sich dem Streß zu entziehen, ist nicht immer richtig. Aber man sollte, gerade unter Belastung, nicht unnötig mit Medikamenten experimentieren.
Wir wissen ja nicht, um welche Belastung es konkret geht.
25.01.11, 21:51:01
baum
@ hans: du triffst es so ziemlich auf den punkt :)
@ drvaust: auch du liegst absolut richtig. das mit den drogen .. naja .. hab ich meine erfahrung mit gemacht. ich will das eigentlich nicht, nicht nochmal. außerdem habe ich angst vor den dauerfolgen. gut kann auch das nicht sein. und wer weiß schon, wie's wirklich wirkt. da bleibt immer sone restangst, dass das dinge mit mir macht, die mich dauerhaft schädigen/beeinträchtigen. aber auch der gedanke kam mir schon.
entgehen kann ich dem stress momentan eigentlich gar nicht. allein weil ich schon weiß, dass ich am nächsten tag da wieder hinmuss. das heißt, noch während dieser minimal kurzen zeit die mir zum erholen bliebe, bin ich schon damit beschäftigt, mich für den nächsten tag zu "wappnen", bzw. eher dem versuch, das zu tun.
insgesamt bin ich einfach vollkommen ratlos. psychozeug will ich eigentlich nicht nehmen, das geht gegen alles, was ich sonst so denke. alternativ zu methylphenidat steht noch die gabe von dämpfenden antidepressiva im raum.
im grunde läuft alles darauf hinaus, um es an mama's beispiel festzumachen, dass ich das kontrolllämpchen abklebe und hoffe, dass der "motor" nicht explodiert, bevor ich das klebzeug wieder abmachen kann. ich seh grad keine alternative mehr.