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B-Elan sagt "Hallo"

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01.02.08, 13:44:24

B-Elan

Hallo zusammen!

Mein Name ist B'Elan, ich bin 33 Jahre alt und wohne in Hannover, zusammen mit meiner 7-jährigen Golden Retriever-Hündin.

Ich bin seit einem halben Jahr mit meiner Freundin zusammen und diese Beziehung ist für mich von Anfang an sehr schwierig gewesen. Vor einer Woche traf ich mich mit einer gemeinsamen Bekannten und wir haben (wie das beim Kaffee dann manchmal so ist) über Beziehungsproblemchen gesprochen. Als ehemalige Psychologiestudentin äußerte sie die Vermutung, dass es sich bei meiner Freundin um eine Form des Autismus handeln könnte.
Die Aussage hat mich erstmal völlig verwirrt und auch ein bißchen erschreckt, da ich mit dem Thema noch nicht viel zu tun hatte.

Ich habe nun schon einiges im Internet gelesen und mich ein bißchen mit dem Thema vertraut gemacht. Es gibt so unglaublich viele Übereinstimmungen mit meiner Freundin, so dass ich ihr Verhalten rückwirkend ganz anders einschätzen kann.
Ihr Verhalten, welches für mich oft so furchtbar verletzend war (z.B. wenn sie kurzfristig abgesagt hat, so dass ich dachte, es bedeutet ihr gar nichts mich zusehen, oder wenn sie sich einfach mit anderen Dingen beschäftigt, während ich bei ihr bin) kann ich jetzt ein bißchen besser verarbeiten.

Ich habe beim Informieren diese Seite gefunden und wollte mich gleich anmelden und hier vorstellen. Es ist zwar gut, Artikel zu lesen, um sich über das Thema zu informieren, aber doch finde ich, dass der Austausch mit Menschen, die ebenfalls mit dem Thema zu tun haben, viel mehr bringen kann.

Eine Frage würde ich hier gerne gleich stellen...
Das Thema Autismus war in unserer Beziehung noch nie ein Thema (ich bin ja sozusagen eher zufällig darauf gestoßen worden). Auf der einen Seite würde ich das gerne ansprechen, habe aber irgendwie Angst, wie meine Freundin darauf reagiert.
Was würdet Ihr tun?

Wir können in unserer Beziehung eigentlich ausnahmslos über alles reden. Da sie oft nicht verstehen kann, warum ich gerade traurig oder enttäuscht bin, kann ich es ihr mir ruhigen und klaren Worten gut erklären, so dass sie es dann versteht. Aber vor diesem Thema scheue ich mich jetzt ein bißchen...

Vielen Dank schonmal und ganz liebe Grüße,
B'Elan

Wenn Ihr noch Fragen zu mir oder an mich habt, dann bitte gerne raus damit. ;)
01.02.08, 14:03:23

55555

Welche Frage hast du genau?
01.02.08, 14:08:45

B-Elan

Die Frage war:

Das Thema Autismus war in unserer Beziehung noch nie ein Thema (ich bin ja sozusagen eher zufällig darauf gestoßen worden). Auf der einen Seite würde ich das gerne ansprechen, habe aber irgendwie Angst, wie meine Freundin darauf reagiert.
Was würdet Ihr tun?


Oder anders formuliert: Soll ich einfach mit meiner neuen Erkenntnis versuchen, besser damit umzugehen, oder soll ich es zu einem Thema machen?
01.02.08, 14:22:16

55555

Ich weiß nicht, wie deine Freundin reagiert, ich kenne sie nicht. Wie ist ihr Charakter diesbezüglich geartet? Empfindet sie möglicherweise psychiatrische Themen als Tabu und persönliche Beleidigung oder interessiert sie sich selbst für soetwas?
01.02.08, 14:50:00

B-Elan

geändert von: B-Elan - 27.02.08, 10:52:20

Das ist eine schwierige Sache, deshalb fällt es mir ja so schwer.

Ich weiß, dass sie als Kind auch schon nicht so viele Freunde, sondern eher "imaginäre" Freunde hatte und dass sie auch mal zum Psychologen mußte und das für sie nicht schön war.
Irgendwann hatten wir eine Diskussion, wo sie mir dann plötzlich an den Kopf geworfen hat, sie würde sich gerade vorkommen, wie in einer Therapie und hätte keine Lust mehr auf das Thema.

Ich kann sie in dem Punkt so schlecht einschätzen.

Wie findet man heraus, dass man autistisch veranlagt ist, wenn man es nicht von Kindheit an hat/weiß?

Oder finden manche Menschen es nie heraus, weil sie nicht damit konfrontiert wurden?

01.02.08, 14:57:01

55555

geändert von: 55555 - 01.02.08, 14:57:31

Zitat von BElan:
Oder finden manche Menschen es nie heraus, weil sie nicht damit konfrontiert wurden?

Das halte ich für sehr wahrscheinlich, wenn man sich vergegenwärtigt, daß laut Schätzungen etwa 0,5% der weltweiten Bevölkerung ins autistische Spektrum fallen sollen. Mir wäre neu, wenn es eine zweistellige Millionenanzahl an Diagnosen auf Autismus gäbe.

Hast du eine Vermutung, weswegen es für sie beim Psychologen nicht angenehm gewesen war?
01.02.08, 20:29:08

bianka018

geändert von: bianka018 - 01.02.08, 20:36:11

Zitat:
sie würde sich gerade vorkommen, wie in einer Therapie und hätte keine Lust mehr auf das Thema



Hier bestätigt sich unsere Haltung zu Therapien, 55555
02.02.08, 04:01:13

drvaust

Hallo B'Elan!
Dazu kann Dir aus der Ferne kaum jemand konkret sagen, wie Du das richtig machst. Das mußt Du einschätzen und richtig machen, Du kennst sie am besten und kannst in der Situation reagieren.
Wenn sie als Kind zu einer Routine-Beratung und -Therapie mußte, Standardverfahren ohne spezielle fachliche Erfahrung, kann ich ihre Ablehnung einer Therapie verstehen. Das sind oft unspezifische Routineverfahren, z.B. kann sich nicht richtig auf den Unterricht konzentrieren = bekommt Medikamente. Manchmal wird auch in falscher Richtung eine Ursache gesucht, z.B. das Kind zieht sich zurück = hatte ein traumatisches Erlebnis.
Darüber reden bedeutet nicht Therapie. Irgendwann müßt ihr darüber reden, sonst steht das zwischen euch. Wenn sie weiß, daß Du zu ihr stehst, ihr das nicht vorwirfst und ihr nichts aufdrängen willst, kannst Du das vorsichtig ansprechen. Aber das erfordert Feingefühl. Mit Autisten sprichst Du am besten offen, direkt und logisch.
02.02.08, 09:45:17

B-Elan

geändert von: B-Elan - 27.02.08, 10:56:42

Hallo drvaust,

und danke für Deine Antwort.
Das mit dem im Unterricht nicht richtig mitmachen trifft heute noch in der Berufsschule zu, denn dort malt sie auch lieber Bilder und wird immer sehr müde, so dass sie neulich fast eingeschlafen ist (hat sie erzählt). (Ihre Noten sind aber trotzdem gut.)

Ich habe wohl Glück, dass sie über all die Dinge mit mir redet, denn ich habe im Forum auch schon oft gelesen, dass das bei anderen nicht so ist.

Mit Therapie kenne ich mich gar nicht aus, aber so wie Du das beschreibst, scheint das als Kind ja nicht sehr aufbauend zu sein - vor allem, wenn man an die falschen Therapeuten gerät.

Mit Autisten sprichst Du am besten offen, direkt und logisch.
Ja, das habe ich auch schon gemerkt und mich ganz gut darauf eingestellt.
Es war für mich immer unverständlich, dass sie nicht versteht, dass ich traurig bin, wenn sie mich gerade emotional verletzt hat. Jetzt, wo ich denke, dass sie autistische Verhaltensmuster aufweist, kann ich das besser nachvollziehen.
Ich bin sehr froh, dass die Kommunikation sehr gut klappt und wir über alles reden können. Sie ist selber mir gegenüber sehr offen und sagt auch, wenn sie etwas nicht nachvollziehen kann, so dass ich gleich die Chance habe noch einmal über einen anderen Weg zu erklären.

Ich habe schon gemerkt, dass sie sich in dem halben Jahr, seit wir zusammen sind, sehr geöffnet hat. Das ist mit dem Vertrauen gewachsen.
Mein größtes Problem war immer, dass sie (z.B.), obwohl wir ein total schönes Wochenende hatte, sich dann wieder zurückgezogen hat, weil sie Abstand brauchte. Da sind bei uns immer die Gegensätze aufeinandergerasselt und mich hat das immer sehr traurig gemacht. Dieses "Freiraum schaffen" war für mich immer schlimm, weil ich es als persönliche Ablehnung empfunden habe.
Sie sagt, dass sie die Zeit für sich alleine braucht, wie die Luft zum atmen, um zu überleben. Das wird einigen von Euch bestimmt auch bekannt vorkommen, wenn ich hier so im Forum lese... Das war für mich immer so unverständlich, weil ich ein sehr geselliger Mensch bin und - im Gegensatz zu ihr - nicht so gerne alleine bin. Doppelt schwer also.

Inzwischen hat sie bemerkt, dass sie mich nicht "bespaßen" muss, wenn ich bei ihr bin und dass ich mich auch mit einem Buch in die Ecke legen kann und sie auch Freiräume hat, wenn wir zusammen sind. Mit diesem Kompromiss ist es uns möglich, uns öfter zu sehen, indem wir so aufeinander zugegangen sind.
Ich gehe davon aus, dass es trotzdem immer mal wieder Momente geben wird, dass sie mich auch gar nicht sehen will (Spontanbesuche sind für sie immer total anstrengend, habe ich das Gefühl - und lasse es inzwischen), aber wie schon oben gesagt, mit dem Hintergrund des Autismus kann ich das besser einordnen und verstehen und muss das nicht persönlich nehmen.

Sie hat durchaus schon darüber gesprochen, dass sie mit mir zusammenziehen möchte. Ich habe da aber ein bißchen Angst vor und kann mir gar nicht vorstellen, wie das dann laufen soll, wenn sie zwischendurch sehr viel Abstand braucht.

Frage:
Kann jemand von Euch eine Erfahrung schreiben, wie es ist, wenn Autisten mit NT zusammenleben?
Ich kann mir denken, dass da jede/r anders mit umgeht, aber kann man sich als Autist an Nähe gewöhnen oder wird das immer schwirig bleiben?

Liebe Grüße und danke,
B'Elan







02.02.08, 11:57:52

KleinAdlerauge

Hallo B`Elan,
wie ist das mit Eurer gemeinsamen bekannten. hatte sie Dich nicht darauf aufmerksam gemacht, dass sie glaubt Deine freundin sei autistisch?
dann könnte sie Dir doch vielleicht einen rat geben, wenn sie Deine freundin kennt, oder?



02.02.08, 13:22:36

B-Elan

geändert von: B-Elan - 27.02.08, 10:58:11

Hallo KleinAdlerauge.

Die gemeinsame Bekannte weiß nicht viel über Autismus, da sie das Studium nicht vollendet hat. Aber es hat gereicht, um den Verdacht zu äußern.
Sie kennt auch keine Autisten und kann mir eigentlich damit überhaupt nicht weiterhelfen.

Mir ist es wichtig, mich mit Menschen auszutauschen, die eben in ähnlichen Situationen sind. Menschen, die mit Autisten zusammen sind und ähnliche Erfahrungen machen. Oder Menschen, die autistisch sind und durch ihre Schilderungen besser vermitteln, wie es bei ihnen "aussieht" oder so. Ich habe hier im Forum schon den ein oder anderen Beitrag gefunden, der mir sehr weitergeholfen hat.
Und um eben einen solchen Austausch zu finden, habe ich ein Forum gesucht und bin hier gelandet.

Liebe Grüße,
B'Elan






02.02.08, 13:54:30

KleinAdlerauge

hast Du schon mal hier reingeschaut?









 
 
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